Sadie Jones: Jahre wie diese

Wann immer ich an Veranstaltungen des Hauses des Buches in Leipzig teilnehme, beschleichen mich Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Institution. Das Publikum ist zumeist der pure Beweis für den demographischen Wandel. Und es erscheint selten zahlreich. Am Programm liegt es nicht. Davon konnte ich mich im April diesen Jahres wieder überzeugen, als Sadie Jones und Robert Stadlober zu Gast waren.

Druckfrisch, nur 48 Stunden nach Erscheinen, stellte die erfolgreiche britische Schriftstellerin Sadie Jones ihr jüngstes Werk "Jahr wie diese" vor. Nach einem Jahr Recherche und einem weiteren Jahr des Schreibens legt die Autorin einen Liebesroman vor, der in der vitalen Londoner Theaterszene der 60er- und 70er-Jahre spielt. Sehr gekonnt verschränkt sie die Familiengeschichten und Liebeswirren ihrer vier Hauptfiguren - Luke, Nina, Paul und Leigh - mit der Theatergeschichte der Insel.

Gebannt folgt der Leser den vier jungen Helden auf ihrem schwierigen Weg, sich von ihren zutiefst verletzenden Familienverhältnisses zu befreien. Ebenso spannend ist der Blick hinter die Kulissen der Theaterproduktionen in England zur Zeit der Beatles. Das Gerangel unter den Theaterschaffenden ist legendär. Die Kreativität der Szene und der Mut einzelner Theatermacher beeindruckend.

Und so ist der Roman vielseitig lesbar: als Geschichtsbuch und als Liebesgeschichte vier junger Menschen auf der Suche nach sich selbst und dem passenden Lebenspartner.

Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN 9783421046291

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Veröffentlicht unter Belletristik, Großbritannien

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