Sandra Gugic: Zorn und Stille

„Die Ankunft im Dorf war jedes Mal wie eine Mondlandung…“ – Sandra Gugić erzählt in ihrem Roman „Zorn und Stille“ die Geschichte einer aus Serbien stammenden Gastarbeiterfamilie in Wien.

Biljana und Jonas Neven Banadinović wachsen in zwei Welten auf. Den Großteil des Jahres leben die Geschwister in Wien. Da beide Eltern in Vollzeit arbeiten, sich die Schichten oft abwechseln, passt die große Schwester häufig auf den kleinen Bruder auf. Sie sind sich selber genug. Jeden Sommer verbringen sie bei den Großeltern mütterlicherseits auf einem Bauernhof in Serbien. Hier gelten andere Regeln.

Die Eltern gingen nicht nur wegen einer besseren Zukunft nach Österreich. Sie flohen auch vor der Enge der Elternhäuser. Beide Großeltern kannten nichts als Arbeit und Pflichterfüllung. Genau so wollten die beiden nicht leben und doch lebten sie als Gastarbeiter nicht anders. Arbeiten, arbeiten, arbeiten und nicht unangenehm auffallen – das war das Mantra.

Biljana bricht mit 17 aus diesem Lebensstil aus. Sie verlässt die Eltern und den geliebten kleinen Bruder. Als Fotografin reist sie viel und bewegt sich vor allem in Künstlerkreisen. Ihr Erfolg führt sie zurück nach Wien, wo eine Galerie ihre Werke ausstellt.

So begegnen sich die Geschwister wieder. Der Bruder sucht die Nähe zur großen Schwester. Auch er will sich und seinen Weg finden, aber am liebsten an der Seite der Schwester. Biljana, die inzwischen den Künstlernamen Billy angenommen hat, entzieht sich schnell dieser Geschwisternähe und legt ihm nahe, sich allein auf den Weg zu machen.

Sein Weg führt ihn zurück nach Serbien.

Sehr einfühlsam schildert die Autorin das Zusammenbrechen der vierköpfigen Familie vor der Kulisse des Zusammenbruchs erst Jugoslawiens dann Serbiens.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455009224

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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