Shusaku Endo: Schweigen

Mit Shūsaku Endōs Werk "Schweigen" beweist der Septime Verlag erneut sein Gespür für außerordentliche Stoffe und Autoren. 

Der in Japan sehr berühmte Schriftsteller Shūsaku Endō erzählt in Schweigen die Geschichte zweier portugiesischer Missionare vor historischem Hintergrund. Im 16. Jahrhundert begannen portugiesische Missionare mit großem Erfolg Japaner zum Christentum zu bekehren. Parallel dazu kam es immer wieder zu Christenverfolgungen durch japanische Fürsten. Diese Verfolgungen gipfelten in Massenhinrichtungen und der Verbannung überlebender christlicher Geistlicher 1613. Die christliche Mission und das Ausüben des christlichen Glaubens stand fortan in Japan unter Todesstrafe. Um das Verbot zu umgehen, versteckten sich einige Missionare in Japan. Hierzu gehörte der berühmte Missionar Cristóvão Ferreira.

Hier setzt der Roman von Shūsaku Endō an: Als in Europa das Gerücht umgeht, Cristóvão Ferreira habe seinem Glauben abgeschworen, machen sich 1637 drei seiner ehemaligen Schüler - Pater Sebastião Rodrigues, Pater João de Santa Marta und Pater Francisco Garbe - aus Portugal auf den Weg nach Japan. João de Santa Marta muss wegen einer ernsthaften Erkrankung seine Reise unterwegs abbrechen. Gleichzeitig erfahren die drei, dass die Japaner in Folge eines Aufstands 1639 den gesamten Handelsverkehr mit Portugal unterbinden. Es gibt für die verbleibenden beiden Missionare also keinen legalen Weg mehr, nach Japan einzureisen. Nach einer unendlich langen und gefährlichen Reise müssen sie illegal an Land gehen. Sie wähnen sich am Ziel ihrer Sehnsüchte, als sie an der japanischen Küste angelangen. Doch hier fängt ein einziges Martyrium für die jungen Männer an. 

Zunächst ist es ein Martyrium des Zuschauens. Die beiden werden von den Bewohnern eines Dorfes herzlich empfangen, weil diese heimlich dem Christentum anhängen. Natürlich erfahren Spitzel eines Tages von den Missionaren und versuchen aus den Dorfbewohnern das Versteck heraus zu foltern. Weil die verhafteten Männer und Frauen weder ihren Glauben noch die Priester verraten, müssen sie sterben. Und die jungen Männer schauen aus sicherer Entfernung zu.

Gott schweigt dazu. Ein Schweigen, das im Laufe der Geschichte immer größer und unerträglicher für die Männer wird. Sie werden in den kommenden Monaten Zeugen der unglaublich brutalen Niederschlagung des Christentums und der Treue der japanischen Christen zu ihrem Glauben. Gott schweigt. Schließlich werden auch sie verhaftet und erleben am eigenen Körper, an der eigenen Seele das große Schweigen Gottes.

Der Roman ist nichts weniger als ein zeitlos gültiges Meisterwerk über den Glauben, den Zweifel und den Selbstzweifel, über Verrat und Treue, über Ohnmacht und Macht, über Schuld und Mitschuld. 

Ich bin sehr gespannt auf die Verfilmung des Buches mit Liam Neeson, Adam Driver und Andrew Garfield unter der Regie von Martin Scorcese, der am 2. März in die deutschen Kinos kommt. 

Der Roman erschien bereits 1966 in Japan. Der Autor Shūsaku Endō (1923 - 1996) gehörte zur kleinen Gruppe japanischer Katholiken. Er erlebte persönlich die Widersprüche zwischen katholischen Glauben und japanischer Tradition. 

Septime Verlag ISBN 9783903061347

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Veröffentlicht unter Belletristik, Japan, Portugal
2 Kommentare auf “Shusaku Endo: Schweigen
  1. Habe gerade Kinokarten gewonnen. Bin auch sehr gespannt auf den Film.
    Viele Grüße!

    • Ruth Justen sagt:

      Ich auch. Ich saß heute in der Pressevorführung und dann gab es einen technischen Fehler, sodass ich den Film nicht sehen konnte. Das hole ich auf jeden Fall nach!

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