Shusaku Endo: Skandal

Sünde, Schuld und Scheinheiligkeit dominieren Shūsaku Endōs jüngst auf Deutsch erschienenen Roman "Skandal". Was ist Sünde? Wie viel Schuld laden wir auf uns? Wie sehr können wir unsere Bedürfnisse und Taten vor uns selber verbergen? Diesen Fragen geht der Autor, der zur christlichen Minderheit Japans gehörte, in seinem Werk nach.

Sein Protagonist ist ein preisgekrönter japanischer Erfolgsautor. Mit Mitte 50 hat er das eine oder andere gesundheitliche Problem. Er fühlt, dass seine Uhr in absehbarer Zeit abläuft. Zufrieden schaut er auf sein Leben als Schriftsteller, Ehemann, Vater und Christ zurück. Er empfindet sich als loyal gegenüber den Kollegen, seiner Familie und seiner Religionsgemeinschaft.

In diese Ruhe platzt eine junge Frau, die ihn bei einer öffentlichen Preisverleihung beschuldigt, im Rotlichtmilieu Tokios zu verkehren. Der Schriftsteller reagiert empört auf die Verwechslung. Da sich die Gerüchte aber mehren, glaubt er an einen Doppelgänger. Als er diesen stellen will, erkennt er, dass er selber der gesuchte, gewaltbereite Mann ist.

Wie lebt man mit dieser Selbsterkenntnis weiter? Das lässt der Autor offen. Von einem ruhigen Leben dürfte fortan keine Rede mehr sein.

Im Gegensatz zu seinem Roman "Schweigen" überzeugt Shūsaku Endō mit diesem Roman nicht ganz. Es ist durchaus spannend, dem Schriftsteller auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis zu folgen, aber das Thema fesselt uns dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung einfach nicht mehr so stark.

Septime Verlag ISBN 9783903061521

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Veröffentlicht unter Belletristik, Japan

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