Sonja Herter: Weißblende

Das schmale Bändchen "Weißblende" von Sonja Harter steht auf der fünf Titel umfassenden Shortlist des Bloggerpreises "Das Debüt". Folgerichtig durfte ich als Jury-Mitglied das Buch lesen. Allerdings gehört "Weißblende" zu den Büchern, die mich ratlos hinterlassen.

Die österreichische Autorin Sonja Harter greift in ihrem Debüt das Thema Missbrauch von Jugendlichen auf. Ein zweifelsohne wichtiges Thema. Hauptfigur des Buches ist Matilda, deren Mutter bereits bei der Geburt starb. Sie wächst zunächst mit der Großmutter und Vater auf. Beide schweigen über den Tod der Mutter. Später wohnt die Großmutter in einem Pflegeheim und Matilda lebt allein mit ihrem Vater. Als begabte Schülerin träumt sie sich weit weg von der Enge ihres Zuhauses in den Bergen Österreichs.

Eines Tages nimmt der Vater einen Untermieter auf. Bonmot ist als Berater des ortsansässigen Betriebes für ein paar Monate im Dorf. Er könnte Matildas Vater sein. Als Mann aus der Stadt mit Geld und Bildung beeindruckt er das junge Mädchen, das gerade erst ihre erste Periode bekommen hat. Es entwickelt sich ein Liebesverhältnis. Naja, wie es auch den Erwartungen des Lesers entspricht. Nach und nach wird klar: Er hat sich nicht in die Minderjährige verliebt. Bonmot benutzt sie, mietet sie für Geld für ein paar Monate vom Vater. In diesen Monaten verliert er das Interesse an ihr und bietet sie mit ihrem Einverständnis als Sexspielzeug anderen Männern an. Für Geld versteht sich. Eine Minderjährige. Matilda braucht Jahre, um zu verstehen, was in diesen Monaten mit ihr geschehen ist, was ihr (dem Kind) der Erwachsene angetan hat. Sie selbst weist sich in die Psychiatrie ein. Es bleibt offen, ob ihr die Ärzte glauben.

Wenn ich das Buch so zusammenfasse, klingt es stringent, wichtig und bewegend. 

Doch leider spielt die Autorin das Thema mit zu vielen Personen durch. Alle paar Seiten wechseln die Protagonisten, die Zeitebenen und die Orte. Weniger wäre hier mehr gewesen. 

Dennoch ist das Buch lesenswert. Zumindest an Matildas Erzählstrang wird die ungeheure Zerstörung eines Menschen durch sexuellen Missbrauch insbesondere in der Kindheit und Jugend sehr überzeugend dargestellt. 

Weißblende ist sicher nicht mein Favorit für den Preis "Das Debüt".

Luftschacht Verlag ISBN 9783903081567 

Getagged mit: , ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Österreich
Ein Kommentar auf “Sonja Herter: Weißblende
  1. Eva Jancak sagt:

    Sehr poetisch, aber auch ein bißchen verwirrrend, dieses heiße Thema und das Spielen mit dem Feuer, so hab ichs auch empfunden und ein bißchen übertrieben oder viel auf einmal
    https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/17/weissblende/

1 Pings/Trackbacks für "Sonja Herter: Weißblende"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest