Sorj Chalandon: Am Tag davor

Es kommt selten vor, dass ich mich von der Begeisterung des Literarischen Quartetts anstecken lasse. Doch in Fall von Sorj Chalandons Roman "Am Tag davor" habe ich nur Sekunden nach dem Ende der Sendung das E-Book runtergeladen und konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

Der Leserausch rührt zu einem von der wunderbaren aus dem Französischen von Brigitte Große übersetzten Sprache und zum anderen von den unglaublichen Wendungen der Geschichte.

Eindrücklich zeigt der Autor, wie sehr uns Schuld und Schuldgefühle ein ganzes Leben prägen, inklusive unserer Erinnerung. Die größte Strafe für die Protagonisten ist es, keine offizielle Strafe erhalten zu haben. Gibt es ohne Strafe keine Sühne? Bleibt ohne Sühne nur der Hass und das Sinnen auf Rache?

Die Geschichte des Romans dreht sich um ein reelles Grubenunglück vom 27. Dezember 1974 auf der Zeche Saint-Amé in Liévin-Lens mit 42 Toten. Daher geht es im Buch nicht nur um die Fragen nach der individuellen Schuld und Sühne, Hass und Rache oder dem persönlichen Erinnern und Verdrängen, sondern um die kollektive Verantwortung des Erinnerns, Gedenkens und Bestrafens.

Fazit: "Am Tag davor" ist ein kluger, sprachgewaltiger und nachdenklich stimmender Pageturner.

dtv Verlagsanstalt ISBN 9783423435338

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Veröffentlicht unter Belletristik, Frankreich
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