Steinunn Sigurdardóttir: Jojo

Die isländische Autorin Steinunn Sigurdardóttir verwebt in ihren jüngsten auf Deutsch erschienen Roman "Jojo" ein Paar zu viele Schicksale und Schicksalsschläge.

Der schmale Band beginnt mit einer Arzt-Patient-Szene im Besprechungszimmer des jungen, unterkühlt wirkenden Arztes Martin. Martin ist auf die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiert und von dem 73-jährigen Patienten unangenehm berührt. Erst im Laufe der Erzählung wird ihm selbst klar, warum.

Der Patient ist jener Mann, der ihn im Alter von sieben Jahren im Park angesprochen und später vergewaltigt hatte. Das Trauma der Vergewaltigung sitzt bei Martin umso tiefer, als seine Eltern ihm die Geschichte von der Vergewaltigung nie geglaubt hatten. Seither schleppt er ein Gefühl der Einsamkeit mit sich rum, trotz seiner Liebe zu seiner Frau und einer wunderbaren Freundschaft zu einem ehemaligen Patienten, der ebenfalls Martin heißt.

Allein die Geschichte von Martin und seinem Schicksalsgefährten Martin hätte ausgereicht, um ein Buch über die Langzeitwirkung von traumatischen Kindheitserlebnissen zu schreiben. Obwohl das Buch nur 187 Seiten zählt, presst die Erzählerin noch weitere schicksalshafte Lebenswege in den Roman.

Bei aller Erzählkunst von Steinunn Sigurdardóttir, deren Werke ich sehr schätze, wäre hier weniger eindeutig mehr gewesen.

Rowohlt Verlag, ISBN 9783498064273

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland
Ein Kommentar auf “Steinunn Sigurdardóttir: Jojo
  1. A. sagt:

    Ja, korrekte Einschätzung und die kulturellen Vorurteile, auch die positiven, stören sehr in diesem Buch.

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