Susanne Schädlich: Immer wieder Dezember

Der Roman "Immer wieder Dezember" von Susanne Schädlich war ein Zufallstreffer. In der kleinen Zweigstelle meiner Stadtteilbibliothek ist die Auswahl so eingeschränkt, dass ich zu dem einen oder anderen eher verzweifelten Griff nach dem nächsten Nicht-Thriller und Nicht-Fanatsy-Buch neige. An diesem Buch reizte mich einzig der Untertitel "Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich".

Zu meiner Schande als Büchernärrin muss ich an dieser Stelle gestehen, nie etwas von Susanne Schädlich oder ihrem Verräter-Onkel gehört zu haben. Einzig Hans-Joachim Schädlings Werk "Kokoschkins Reise" ist mir letztes Jahr in die Hände gefallen. Insofern bin ich ohne jede Erwartung an Susanne Schädlichs Roman gegangen.

Umso überraschter und gefesselter war ich von der Lektüre. In Romanform erzählt die Autorin von der Ausreise ihrer Familie aus der DDR in die BRD. Der Vater, ein aufstrebender Literat, war in den berühmten Schriftstellerkreisen um Wolf Biermann. Eindringlich schildert sie die Schikanen der DDR-Behörden gegenüber den Ausreisewilligen. Bedrückt fühlt man mit der 12-jährigen Tochter mit. Doch die Ausreise ist keine Erlösung. Heimatlos irrt das Kind auch als Erwachsene durch die innerlich fremde BRD. Erst ein jahrelanger Aufenthalt in der richtigen Fremde, in den USA, lässt sie zu sich finden. Auch ihre Eltern irren eher durch die neue schöne Welt des BRD-Scheins. Bis 1992 ahnt die Familie nicht, dass die Stasi sie auch viele Jahre nach der Ausreise in der BRD beobachtet und verfolgt hat. Und der Verräter sitzt in den eigenen Familienreihen.

Susanne Schädlich ist ein einfühlsames, kluges und zutiefst persönliches Buch über die beiden Deutschlands und ihre Bürger gelungen.

Droemer Verlag 2009 ISBN 9783426274637

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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