Sven Stricker: Bin noch da

Vom Drama zur Komödie – Sven Stricker schildert in seinem jüngsten Roman „Bin noch da“ ein besonders schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis.

Nach 20 Jahren Funkstille meldet sich Karlheinz bei seinem Sohn Moritz. Die Mutter ist gestorben und der Vater möchte ausgerechnet von seinem Sohn Sterbehilfe erhalten. Familie hält schließlich zusammen.

Aber wie soll eine dysfunktionale Familie zusammenhalten? Moritz wächst in den 80er-Jahren in einem kleinen Reihenhaus in einer deutschen Stadt auf. Sein Vater ist ewig schlecht gelaunt. Und natürlich lässt er die schlechte Laune in erster Linie an Frau und Kindern aus. Verbote und die Botschaft „Alles ist scheiße“ prägen die Kindheit der Geschwister. Noch schlimmer empfindet Moritz die Gefühllosigkeit des Vaters. Nie stellt er sich in andere Schuhe oder nimmt wahr, dass es andere Menschen mit anderen Gefühlen und Gedanken geben könnte.

Wenn man keine Anteilnahme erfährt, warum soll man dann Familie spielen? Eben. Beide, Moritz und seine Schwester Nina, verlassen mit ihrer Volljährigkeit das Elternhaus und brechen den Kontakt zum Vater und zu der ewig auf Vaters Seite stehenden Mutter ab.

Im Laufe des Romans deckt der Erzähler einige Familiengeheimnisse auf, die die väterlichen Charakterzüge verständlicher machen und die Schwere der Verletzungen von Moritz, aus dessen Perspektive das Buch geschrieben ist, erklären.

Mal Drama, mal Komödie und immer in lakonischer Sprache – das passt nicht immer zusammen. Warum das Ende so abrupt und vorhersehbar ist, bleibt mir zudem ein Rätsel. Dennoch ist es ein lesenswertes Buch über das Thema Generationskonflikt.

Rowohlt Verlag ISBN 9783644005044

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