Szczepan Twardoch: Das schwarze Königreich

Szczepan Twardoch begibt sich in seinem neuen Roman „Das schwarze Königreich“ erneut in die Untiefen der menschlichen Seele angesichts von Völkermord, Besatzung und Weltkrieg.

Jakub Shapiro ist keine gewöhnliche Titelfigur. Als Held taugt der Großkriminelle nicht. Auch die private Figur wirkt wenig sympathisch, zu oft betrügt er die Ehefrau und glänzt bei seinen Kindern mit Abwesenheit.

Entsprechend zwiespältig schildern sein Sohn David und seine langjährige Geliebte Ryfka den Mann und sein Schicksal, angefangen von der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, über die Besatzung Polens und die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung bis zum kurzen Ausblick auf die Nachkriegszeit. Immer abwechselnd kommen die beiden – David und Ryfka – Kapitel für Kapitel zu Wort. Einzige Ausnahme ist das Kapitel Emilia, in dem Jakobs Ehefrau die letzten Minuten ihres Lebens erzählt.

Was macht den Roman so lesenswert, obwohl ich schon so viele Bücher über die Shoah gelesen habe? Erstens: Szczepan Twardoch ist ein meisterhafter Erzähler, der die Spannung bis zum Schluss aufrechterhält. Zweitens: Szczepan Twardoch kennt die menschlichen Abgründe. Bis auf Jakubs jüngeren Sohn Daniel sind alle Figuren vielschichtig und zutiefst menschlich. Gerade dadurch wird die Dimension der Verbrechen Hitlers und all seiner Gefolgsleute noch spürbarer für Lesende. Drittens: Szczepan Twardoch scheut sich nicht, auch der polnischen Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.

Ein Erkenntnisgewinn mit Lesegenuss!

Rowohlt Verlag ISBN 9783644003576

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