Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so

Es gibt jedes Jahr eine handvoll Schriftsteller und Werke, die einhellig von den einschlägigen Redaktionen in Print, Funk und Fernsehen gelobt werden. Meistens nähere ich mich diesen Werken mit großer Skepsis, denn hinter so manchem Feuilleton-Liebling steckt zu viel PR und zu wenig Substanz. Ganz anders liegt der Fall bei Taiye Selasi und ihrem Debutroman "Diese Dinge geschehen nicht einfach so". 

In einer packenden Sprache beschreibt die Autorin die Geschichte eines Migrantenpaares in den USA und ihrer Kinder. Kweku aus Ghana und Fola aus Nigeria treffen sich während des Studiums in den USA. Kweku stammt aus einer armen Familie, kann aber dank seiner Begabung ein Medizinstudium in den USA antreten. Er wird ein hochtalentierter und erfolgreicher Chirurg. Fola hingegen hat wohlhabende Eltern, die den armen Schwiegersohn nur schwer akzeptieren.

So lange der Traum vom besseren Leben in den USA in Erfüllung zu gehen scheint, läuft die Ehe gut. Doch dann verliert Kweku seinen Job im Krankenhaus und muss nach einem halben Jahr vergeblicher juristischer Auseinandersetzungen die Kündigung akzeptieren. Er fühlt sich als Versager und spielt der Familie weiterhin den arbeitenden Vater vor, während sich die Schulden türmen. In einer Kurzschlusshandlung verlässt er die Familie. Für Fola ein Vertrauensbruch. Sie baut sich ohne ihn ein Leben mit den Kindern auf. Am Ende kehren Fola und Kweku unabhängig voneinander zurück nach Afrika.

Selasi gelingt es auf empathische und sensible Art die Migrantenschicksale der Eltern und ihrer Kinder nachzuzeichnen. Ihre Sprache ist traumhaft schön und anspruchsvoll. Bis zum Schluss möchte man keine Minute das Buch aus der Hand legen.

S. Fischer Verlag 2013 ISBN 9783104026237

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Veröffentlicht unter Belletristik, Ghana, USA

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