Thomas Arzt: Die Gegenstimme

Welchen neuen Aspekt gibt es nach Tausenden von Romanen über das Dritte Reich noch zu erzählen? Zumindest diesen einen, den sich Thomas Arzt in seinem Debütroman „Gegenstimme“ herausgepickt hat. Der Roman ist für den Bloggerpreis „Das Debüt“ 2021 nominiert.

Karl stammt aus einer Schusterfamilie irgendwo im ländlichen Österreich. Seiner Begabung und dem Glauben seiner Eltern an diese verdankt er sein Geschichtsstudium in Innsbruck in der Mitte der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts. An der Universität eröffnet sich ihm eine ganz neue Welt. Neben dem heimatlichen Katholizismus und dem Nationalismus lernt er den Kommunismus, Sozialismus, eine freiere Auslegung christlicher Regeln und zunehmend den Nationalsozialismus kennen.

Um seiner freigeistigen Freundin zu imponieren, entschließt er sich zu einem Akt des Widerstandes. Er reist in sein Heimatdorf und gibt bei der Volksabstimmung über den sogenannten Anschluss Österreichs an das Dritte Reich am 10. April als einziger eine Gegenstimme ab.

Diese vermeintlich kleine Handlung sorgt für große Aufregung in der Dorfgemeinschaft. Die einen denken zwar wie Karl und verachten die Nazis. Ihre Angst siegt aber, sodass sie schweigend im Wahllokal an der „richtigen“ Stelle ihr Kreuz setzen. Die anderen sind bereits fanatische Nazis und genießen ihre Macht über die eingeschüchterten Mitbürger:innen.

Doch Karl ist kein strahlender Held. Er hat große Angst vor den Konsequenzen seiner Tat und ist froh, wieder das Dorf Richtung Großstadt verlassen zu können. Allerdings herrschen auch dort die Nationalsozialisten…

„Gegenstimme“ ist ein beeindruckendes Debüt, dass auch in der Sprache die beklemmende Stimmung dieser Zeit auferstehen lässt.

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

Residenz Verlag ISBN 9783701746521

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