Thomas Wolfe: Die Party bei den Jacks

Thomas Wolfe gehört zu den bekanntesten amerikanischen Autoren in Deutschland. Sein Ruhm basiert auf seinem Debütroman "Schau heimwärts, Engel", der lange als absolutes Muss für jedes Bücherregal galt. Weitere Werke und Bestseller folgten. Bereits im Alter von 38 Jahre vestummte diese literarische Stimme. Der Autor starb 1938 an Tuberkulose und hinterließ einige unvollendete Werke. Hierzu gehört das 1995 erstmals veröffentlichte Manuskript "Die Party bei den Jacks".

Es besteht aus drei Teilen. In den ersten Kapitel beschreibt Wolfe die Kindheit und Jugend von Frederick Jack Anfang des 19. Jahrhunderts in einer deutschen Stadt. Er leidet unter seinem Mitschülern, für die er "der Jude" und Sohn eines reichen Privatbankiers ist. Einsamkeit und Trauer prägen seinen Charakter. Als junger Mann geht er nach Amerika und steigt dort als begnadetes Finanzgenie in die obersten gesellschaftlichen Kreise ein. Der zweite und größte Teil des Buches dreht sich um eine Party, die Jack und seine Frau Esther, in ihrem Luxus-Apartment geben. Innerhalb dieser Geschichte schildert Wolfe mit der Liebesbeziehung von Esther und ihrem Geliebten einen dritten Erzählstrang.

Alle drei Erzählungen für sich sind brilliant geschrieben. Wolfe schildert die antisemitische, engstirnige deutsche Gesellschaft ebenso meisterlich wie die mondäne, feine amerikanische Gesellschaft am Rande des Abgrundes kurz vorm großen Börsenkrach, der die Mehrheit der Partygäste ins finanzielle Unglück stürzen wird. Im jeder Zeile bricht das literarische Genie des Autors durch. Aber die Teile ergeben kein Ganzes. Das Werk ist und bleibt unvollendet und bruchstückhaft. Die Lektüre empfiehlt sich nur für Fans.

Manesse Verlag 2011, ISBN-10: 3717522345

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland, USA

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