Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos

Nur im Wasser sind Ludwik und Janusz – die beiden Protagonisten des Romans „Im Wasser sind wir schwerelos“ des Schriftstellers Tomasz Jedrowski schwerelos. Denn an Land ist die homophobe Bevölkerung und Diktatur zu bedrückend für die Liebenden.

Polen in den 60er- bis 80er-Jahren: Ludwik wächst bei Mutter und Großmutter auf. Die beiden hören Radio Free Europa und schulen Ludwiks kritischen Blick auf die offiziellen Staatsnachrichten und ihre Geschichtsmythen. Vor allem der Verlust des einzigen wirklich nahen Kinderfreundes Beniek, der mit seiner jüdischen Familie das Land nach der antisemitischen Welle Ende der 60er-Jahre verlässt, prägt Ludwik.

Erst als Erwachsener erlaubt sich Ludwik die Erkenntnis, homosexuell zu sein. Zu verpönt ist die gleichgeschlechtliche Liebe in dem katholischen und zugleich kommunistischen Land. Auslöser ist die Begegnung mit Janusz. Die beiden verlieben sich ineinander. Janusz verdankt der kommunistischen Partei seine Ausbildung und damit den gesellschaftlichen Aufstieg. Er glaubt an den Kommunismus und will Karriere machen. Doch als Mann einen Mann öffentlich zu lieben, ist nicht vereinbar mit einer Karriere im polnischen Staat dieser Epoche.

Ludwik versteht nicht, warum Janusz die Karriere über die gemeinsame Liebe stellt: „Ich fragte mich, welche Rolle du in dem Ganzen einnimmst und welchen Pakt du mit dir selber eingegangen bist. Denn wir gehen alle einen ein, selbst die Besten von uns. Und dieser Pakt ist selten mustergültig. Ganz gleich, wie sehr wir uns bemühen.“

Auf der Suche nach Freiheit und Liebe verlässt Ludwik Polen und fängt in den USA ein neues Leben an.

Für den Guardian ist der Debütroman von Thomasz Jedrowski das Buch des Jahres. Für mich ist es einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr lesen durfte.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455011081

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