Uwe Wittstock: Februar 33 – Der Winter der Literatur

„Februar 33 – Der Winter der Literatur“: In sechs Wochen zwischen Ende Januar und Mitte März 1933 verwandelten die Führer der NSDAP die Weimarer Republik in eine Diktatur. Sechs Wochen, in denen sich für viele Künstler:innen alles änderte. Uwe Wittstock versammelt die wichtigsten bedrohten Stimmen dieser Zeit. Er lässt sie zu Wort kommen – zwischen Todesangst und Hoffnung auf ein schnelles Ende der Nazi-Diktatur. 

Die Form ist nicht neu, Florian Illies hat es mit seinem Buch „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ bereits vorgemacht. Doch die Fülle der informativen Perspektiven, die Uwe Wittstock in „Februar 1933“ gekonnt miteinander verwebt, hat es in sich.

Die Riege der verfolgten Autor:innen liest sich wie das Lexikon der deutschsprachigen Literaturgeschichte: Joseph Roth, der nur Stunden nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 im Zug nach Paris sitzt. Egon Erwin Kisch, der nicht rechtzeitig flieht, verhaftet und dann nach Prag abgeschoben wird. Heinrich Mann, der gemeinsam mit Käthe Kollwitz zum „freiwilligen“ Rücktritt aus der Preußischen Akademie der Künste gedrängt wurde. Erich Mühsam, der ermordet wird, oder Carl von Ossietzky, der Deutschland nicht verlassen wollte und sich nie von den Folgen der Verhaftung und des KZs erholen konnte. Die junge Mascha Kaléko, die noch andere warnt, bevor sie sich selbst auf die Flucht begibt wie so zahlreiche andere von Bertolt Brecht bis Gabriele Tergit. Eine Schriftstellerin ragt besonders heraus: Ricarda Huch, die eine feste Haltung gegenüber den Nazis zeigt.

Atemlos folge ich als Leserin den Bedrängten auf ihrer kurzen Reise von der Demokratie zur Diktatur.

Natürlich kennen wir alle die Fakten. Aber die Fülle dieser Einzelschicksale bewegt zutiefst. Selbst im Rückblick wird mir beim Lesen Angst und Bange. Zum Glück waren viele der Dichter:innen und Denker:innen so klug, die Gefahr zu erkennen und Deutschland schnell zu verlassen. Das sicherte ihnen aber noch lange nicht das Leben. Denn das Dritte Reich beherrschte bald fast ganz Europa und schnitt immer wieder den Flüchtenden den Weg in die Freiheit ab.

So ist das Buch keineswegs „nur“ ein Geschichtsbuch über längst Vergangenes, sondern auch eine Mahnung an uns alle, dass Demokratie und Meinungs- und Kunstfreiheit keineswegs selbstverständlich sind.

Verlag C.H.Beck ISBN 9783406776946

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