Viet Thanh Nguyen: Der Sympathisant

"Der Sympathisant" vom US-amerikanischen Autor Viet Thanh Nguyen ist nichts weniger als eine der literarisch besten Analysen des Zusammenspiels von Kolonialismus, Kapitalismus und Kommunismus.

"Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern", mit diesen Worten beginnt der fulminante Politroman rund um einen Vietcong-Spion, der 1975 in die Fänge seiner eigenen Leute gerät und zu einem Geständnis über seine Fehlbarkeit gezwungen wird. "Ich besitze einfach die Fähigkeit, alles von zwei Seiten zu betrachten. ... " ... "Aber in dem Monat, mit dem dieses Geständnis beginnt, erschien mir meine Art, die Welt zu betrachten, noch eher ehrenwert als gefährlich, wie das anfangs manchmal so ist mit den Dingen, die gefährlich sind."

Aller Ehren wert, denkt der Leser, ist der Kampf der Vietcong gegen die amerikanischen Besatzer, die die französischen Kolonialherren in Vietnam abgelöst hatten. Doch im Laufe des Romans zeigen alle Krieger ihre Fratzen, Dämonen und Begierden.

Mitten drin steht der "Bastard", der Sohn einer Vietnamesin und eines französischen Priesters. Er gehört nirgendwo dazu. Für alle Seiten ist er der Fremde. Nur für seine Jugendfreunde Man und Bon ist und bleibt er der Freund.

Wie erkennt man, wer man ist? Wie bleibt man Freund im Krieg, nach dazu als Spion? Über den Weg der Erkenntnis: "Während nichts wertvoller ist als Unabhängigkeit und Freiheit, ist nichts wertvoller als Unabhängigkeit und Freiheit!". Wer den Witz verstehen will, sollte das Buch bis zum Ende lesen.

Prädikat: Unbedingt lesenswert!

Blessing Verlag ISBN 9783896675965

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Veröffentlicht unter Belletristik, USA, Vietnam

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