Willem Frederik Hermanns: Die Dunkelkammer des Damokles

Länderschwerpunkte in Frankfurt oder Leipzig lassen uns immer wieder literarische Schätze heben. Ein solcher Schatz ist Willem Frederik Hermanns „Die Dunkelkammer des Damokles“. Bis zur Vorstellung des Ehrengastprogramms der Frankfurter Buchmesse 2016 glaubte ich mich in den Gefilden niederländischer und flämischer Autoren zumindest der älteren Generation auszukennen. Weit gefehlt. Harry Mulisch und Cees Nooteboom preisen im Klappentext den Einfluss Willem Frederik Hermanns auf die niederländische Literaturszene. Grund genug für mich, ein Werk von ihm aus den unzähligen Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt auszuwählen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Henri Osewoudt. Der junge Mann wächst bei der Familie seines Onkels auf. Eher aus Not, weil sich keine andere Frau für ihn interessiert, heiratet er seine Cousine und übernimmt den Tabakladen seines Vaters. Ein unbedeutendes und unglückliches Leben, so jedenfalls empfindet der Protagonist das.

In der Zeit der Besatzung der Niederlande durch die Wehrmacht bekommt sein Leben eine überraschende Wendung. Er wird von einem niederländischen Offizier im Widerstand um Hilfe gebeten. Mehrmals beteiligt sich Henri an „Aktionen“, also Ermordungen von vermeintlichen oder tatsächlichen Verrätern und Kollaborateuren.

Das Unwohlsein über die eigenen Taten wächst im Laufe der Jahre. Nach Kriegsende misstrauen ihm die Befreier. Zudem ist sein "Führungs"-Offizier unauffindbar.

Was hat Henri wirklich getan? Welche Ziele hat der Offizier mit den Aktionen tatsächlich verfolgt? Wie viel Geltungsbedürfnis stand hinter den Taten? Wer stand auf der sogenannten richtigen Seite?

Willem Frederik Hermanns hat mit „Die Dunkelkammer des Damokles“ einen Klassiker über die untrennbaren Verflechtungen von Gut und Böse geschaffen.  

Aufbau Verlag ISBN 9783 351036577

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Veröffentlicht unter Belletristik, Niederlande

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