Wolfgang Herrndorf: Sand

Das Wort Sand weckt in mir viele Bilder: Die Weite und unbeschreibliche Schönheit der Wüste, unerträgliche Hitze bei Tage oder eisige Kälte in der Nacht, und unendlich viele Gefahren, die im Sand lauern. Wobei die meisten Gefahren für den Menschen selbstverständlich von Menschen ausgehen. Alle diese Bilder beschwört Wolfgang Herrndorf in seinem neuen Roman "Sand" herauf.

Er schildert die Irrungen und Wirrungen seiner Hauptfiguren in der Wüstenoase eines nordafrikanischen Staates im Jahr 1972. Korrupte Polizisten, skrupellose Spione und heilssuchende Kommunenmitglieder sind teils bewusst, teils unbewusst verstrickt in die Weltpolitik. Einige bleiben im Wüstensand auf der Strecke, andere werden unbeeindruckt weiter machen. Mehr darf ich nicht verraten, denn "Sand" ist vordergründig ein ungemein spannender Krimi.

Dahinter aber seziert Herrndorf die politischen Landschaften des Jahres 1972, kurze Zeit nach dem Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft in München. Keiner kommt dabei gut weg: Nicht die Touristen aus aller Welt, mit ihren wohlmeinenden aber flachen Analysen der Weltpolitik, auch nicht die sympathischen, aber korrupten Polizisten in Nordafrika und schon gar nicht die Spione für eine "gute" Sache.

Mehr noch als der Krimiplot oder die Gesellschaftskritik beeindruckt mich die Sprache Herrndorfs. Nichts scheint ihm unbeschreiblich zu sein. Er hat eine so reiche, mächtige Sprache wie nur wenige andere deutschsprachige Autoren der Gegenwart. Kein Wunder, dass er zu den Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2012 gehört.

P.S.: Inzwischen hat er den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2012 gewonnen.

Rowohlt Verlag 2011 ISBN 9783871347344

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Veröffentlicht unter Deutschland
3 Kommentare auf “Wolfgang Herrndorf: Sand
  1. Liebe Ruth,
    klar Du hast „Sand“ schon gelesen. Ist er auch dein Favorit für Leipzig??
    Er steht auf jeden Fall auf meiner Liste.

    Liebe Grüße

  2. sonya sagt:

    Hallo,
    dein Blog ist super! Ich habe das Buch mit einem Male verschlungen und bin immer noch ganz begeistert. Der Schreibstil des Autors ist einfach sehr schön und trifft immer den Kern der Sache.
    LG

    • Ruth Justen sagt:

      Vielen Dank, Sonya. Ja der Schreibstil von Herrndorf ist erste Sahne. Es fällt mir richtig schwer, jetzt ein anderes Buch mit Genuss zu lesen.

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