Wytske Versteeg: Boy

In diesem Jahr stehen Autoren aus Flandern und den Niederlanden im Fokus der Frankfurter Buchmesse. Es wird also Zeit, den Frankfurter Ehrengast als Leseinspiration aufzugreifen und sich mit einigen Schriftstellern jenseits der berühmten Namen wie Harry Mulisch, Maarten ’t Hart, Cees Nooteboom oder Leon de Winter bekannt zu machen. Für den Anfang wählte ich den Roman „Boy“ von Wytske Versteeg. Erstens kenne ich nur Lobeshymnen über das Buch und zweitens bin ich selber Mutter zweier Teenager-Söhne.

Worum geht es? Der Roman beginnt mit dem Verschwinden des 17-jährigen Jungen namens Boy. Er ist der dunkelhäutige Adoptivsohn eines niederländischen Ehepaares. Von Anfang an erfüllt er die Rolle des Außenseiters. Zum einen, weil er offensichtlich nicht das leibliche Kind seiner Eltern ist. Zum anderen, weil er ein stiller Junge ist, der sich körperlich nicht gegen Angriffe wehrt.

Mit zunehmendem Teenageralter macht er sich immer unsichtbarer und damit - wie er glaubt - weniger verwundbarer. Seine Isolation wird immer deutlicher. Doch eine neue, junge und engagierte Lehrerin ermutigt ihn, er selber zu sein und sich der Gemeinschaft zu nähern, quasi sichtbar zu werden. Mit fatalen Folgen.

Seine Adoptivmutter, die von Beruf Kinder- und Jugendpsychiaterin ist, macht sich auf die Suche nach der Lehrerin, die nach dem Verschwinden des Jungen ihren Schuldienst an den Nagel gehängt hat und das Land verlassen hat.

Boy erzählt die Geschichte der drei Protagonisten aus der Sicht der Mutter. So sehr sie sich als größtes Lebensglück ein Kind gewünscht hatte, so sehr fremdelte sie 17 Jahre mit ihrem Sohn und ihrer Mutterrolle. Erst beim Versuch, zu erfahren, was mit Boy passiert ist, lernt sie ihren Sohn und sich selber kennen.

Der zweite Roman der niederländischen Autorin ist ein kleines, psychologisch dichtes Drama, das von der ersten bis zur letzten Seite den Leser fesselt.

Verlag Klaus Wagenbach ISBN: 978380314009

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Veröffentlicht unter Belletristik, Niederlande

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