Yahya Hassan: Gedichte

Mit Lyrik habe ich mich immer schwer getan. Ob Paul Celan oder Ossip Mandelstam - meine Konzentration ließ stets schnell nach. Ganz anders erging es mir mit Yahya Hassans autobiographischen Gedichten.

Der 18-jährige staatenlose Palästinenser wuchs in Dänemark in einer praktizierenden muslimischen Familie auf. Die Familie wohnte in eine der klassischen Neubausiedlungen voller Flüchtlinge aus aller Welt. Eine trostlose Umgebung, eine gleichgültige Gesellschaft und eine sich nach der Heimat sehnende Familie prägten den Dichter. Gewalt und Kriminalität gehörten zum Alltag.

Der Vater schlug Yahya, seine Geschwister und seine Mutter ebeso regelmäßig wie er betete. Nach dem Auszug der Mutter setzte sich die häusliche Gewalt gegenüber den Kindern und den nachfolgenden Frauen fort. Yahya glitt ab in den Kreislauf von Schmerz, Trauer, Wut, Kriminalität und staatlicher Fürsorge.

Nur das Schreiben, so scheint es, ließ ihn aus diesem Krauslauf ausbrechen und einen Verlag finden. Schon kurz nach der Veröffentlichung des Gedichtbandes, in dem der junge Autor mit seinen Eltern und ihren religiösen Überzeugungen sowie der dänischen Gesellschaft abrechnet,  unternahmen die dänischen Rechten wie Linken schnell den Versuch, ihn zu vereinnahmen. Klug wie Yahya Hassan ist, weiß er das einzuschätzen und setzt seinen Krieg der Worte allen Vereinnamungsversuchen entgegen.

Pazifismus hin oder her, es lohnt sich, diesen Krieg der Worte zu lesen.

Ullstein Buchverlag, ISBN 9783550080838

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Veröffentlicht unter Belletristik, Dänemark, Palästina

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