Yoram Kaniuk: Das Glück im Exil

Mutter, Vater, Kind – heilige Familie oder Brutstätte für Verletzung,  Missachtung und Einsamkeit? Definitiv Letzteres, jedenfalls im Yoram Kaniuks Roman „Das Glück im Exil“ aus dem Jahre 1992.

Der große alte Mann der israelischen Literatur arbeitet sich hier an seinen Eltern ab. Er erzählt mit viel Humor und Feingefühl von ihren europäischen Wurzeln, der Einwanderung ins Palästina der 20-iger Jahre und von den Schwierigkeit mit Herz, Seele und Verstand in der neuen Heimat anzukommen.

Der Vater liebt die deutsche Kultur und Sprache und widmet sein Leben der Ausbreitung von Kunst und Kultur in der damaligen Kleinstadt Tel Aviv. Die Mutter kreist ständig um ihre nicht erwiderte Liebe zum Ehemann. Gefühlskälte, Märtyrertum und Schuldgefühle prägen den familiären Umgang.

Der Sohn bleibt allein zurück in Mitten der Familie. Er scheint nie die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. Nur die letzte ausgesprochene Erwartung seiner Mutter bestätigt er. Er nimmt nicht an ihrer Beerdigung teil. Er bleibt auf Lesereise in Schweden und spürt seinen Erinnerungen an die Eltern und seinen Gefühlen für sie nach. Ein bewegendes Buch für jeden Leser, der seine Familie nicht als heile Welt erlebt hat. Zugleich ist es ein Geschichtsbuch, das einen in die Tiefen der israelischen Gesellschaft führt.

List 1992, ISBN 3 612 27435 x

Getagged mit: , , , ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Israel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest