Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später

Noch bevor ich das jüngste Buch von Zsuzsa Bánk “Schlafen werden wir später“ zu Ende lesen konnte, erschienen Land auf, Land ab zahlreiche Rezensionen mit den unterschiedlichsten Lobeshymnen und Kritikpunkten. Am meisten hallte in mir das Urteil einer meiner liebsten (Lese-)Freundinnen nach: "Das Buch soll doch so banal sein. Da habe ich keine Lust drauf.“ Ist die Geschichte zweier Freundinnen, Mitte 40, die sich in ihren gegenseitigen Briefen aus ihrem Alltagsleben berichten, banal, unbedeutend und gewöhnlich? Oder sind die Lebenswege dieser beiden Frauen, gerade weil sie durchschnittlich akademisch gebildete Frauen in den 40er sind, interessant?

Die Antwort hängt wohl stark von der eigenen Lebensphase ab. Im Moment stehen alle Zeichen in meinem privaten Leben auf Veränderung. Die Kinder gehen nach dem Abitur ihre eigenen Wege und so ist es für mich an der Zeit, zurückzuschauen auf das eigene Familienleben, die permanente Disbalance zwischen Kindern und Beruf. Insofern haben die beiden Lebenswege von Martha (Schriftstellerin, Ehefrau und Mutter dreier Kinder mit Wohnsitz in Frankfurt am Main) und Johanna (Gymnasiallehrerin, Single, Patentante und wohnhaft mitten im Schwarzwald) bei mir einen Nerv getroffen.

Die wunderbare Freundschaft beider Frauen, die sich seit Kindheitstagen kennen, ist sehr berührend. Sie tragen sich gegenseitig durch die Höhen und Tiefen ihrer Biografie. Eine solche Freundschaft ist nicht banal, nicht gewöhnlich, sie ist ein hohes, manchmal lebenserhaltendes Gut. Beide Lebensläufe zeigen, dass der Weg zum persönlichen Glück nur zum Teil von Mutterfreuden oder Karriereaussichten abhängen. Viel entscheidender ist, wie die Frauen ihr Leben wahrnehmen und welche feinen Fäden der Liebe und Freundschaft sie sich als Netz bauen.

Sprachlich überzeugt mich "Schlafen werden wir später“ weniger als die Vorgänger "Die hellen Tage“ oder "Der Schwimmer“, da manche Formulierungen zu gedrechselt, zu künstlich daher kommen.

S. Fischer ISBN 9783104028996

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland
Ein Kommentar auf “Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später
  1. monerl sagt:

    Hallo Ruth,

    deine Meinung bringt mich wieder ins Wanken! Ich habe so viel eher Negatives über das Buch gelesen, dass ich es von meiner Wunschliste gestrichen hatte. Nun hast du es mir aber doch wieder schmackhaft gemacht. Zumal die Autorin jetzt am Donnerstag in meiner Stammbuchhandlung liest…
    Ich schiebe das Buch jetzt mal auf meine Merkliste und dann sehe ich weiter. 😉

    GlG vom monerl

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