Zwei Debüt-Warnungen

In den letzten Jahren hatte ich die Ehre und zumeist das Vergnügen als Mitglied der Blogger-Jury „Das Debüt“ fünf Debütromane zu lesen. In diesem Jahr war es leider kein so großes Vergnügen. Zwei der fünf Anwärtertitel für den Bloggerpreis „Das Debüt 2020“ fand ich einfach nur ärgerlich.

David Misch: Schatten über den Brettern

Worum geht es? Hmm, irgendwie um eine gesellschaftskritische Dystopie. Aber eben irgendwie. Nach der Hälfte des Buches habe ich es zugeklappt. Die Sprache ist sperrig, die Erzählebenen springen ständig hin und her. „Eine anspruchsvolle Lektüre“ nennen einige Rezensent:innen das Werk. Für mich ist anspruchsvoll hier ein Synonym für „wir haben uns das Lektorat gespart“.

Verlag Duotinca ISBN 9783946086550

Amanda Lasker-Berlin: Elijas Lied

Drei Schwestern stehen im Mittelpunkt des Romans: die titelgebende Elija mit Downsyndrom, die Teilzeit-Prostituierte Noa und die Nationalsozialistin Loth. Schon bei dieser Aufzählung wird das Problem des Buches klar: Die Autorin hat sich schlichtweg zu viel vorgenommen. Alle drei Figuren wirken nicht ausgereift. Sie können nur angerissen werden und bleiben so in platten Klischees stecken. Sprachlich gibt es durchaus interessante Passagen, die aber am Grundproblem des Buches nichts ändern.

Frankfurter Verlagsanstalt ISBN 9783627002749

Beide Debüts entpuppten sich für mich als vertane Lese- und damit Lebenszeit.

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